Wer nicht mit der Zeit geht, der …

Wenn das Neue kommt, muss das Alte gehen. Was dem Volksmund so lässig über die Lippen geht, ist bei genauer Betrachtung eine Zäsur. Eine Zäsur, die es durchaus in sich hat.

Nach 111 Jahren verlässt General Electric (GE) den Dow Jones, den Leitindex der US-Wirtschaft mit den 30 wichtigsten Aktien der New Yorker Börse. Ein Symbol der puren Stärke der nordamerikanischen Wirtschaft. Bei genauer Betrachtung bringt dieser „Exit“ einiges ans Tageslicht, was bisher als pure Theorie galt.

General Electric ist nicht nur eines der ältesten Unternehmen der Vereinigten Staaten von Amerika, sondern ein Symbol unternehmerischen Pioniergeists. Reicht die Firmengründung doch zurück bis zu Thomas Alva Edison (wohlgemerkt mit E und nur einem D 😉 ). Edison war einer der größten Erfinder im Bereich der Elektrotechnik und der aufkommenden Elektrizität im 19. Jahrhundert. Sein Name steht in fester Verbindung mit bahnbrechenden Erfindungen wie der Glühbirne, der Telegrafie, des Films (Kinetograph) und des Grammophons. 1093 Patente hat der Zeitgenosse Henry Fords im Laufe seines Lebens angemeldet. Seine Erfindungen haben der modernen Gesellschaft auf die Beine geholfen – er hat Entwicklungen beschleunigt, er hat die Gesellschaft verändert.

General Electric – einer der weltgrößten Mischkonzerne, der auf Edisons Ideenreichtum und Forschergeist basiert, war vor 111 Jahren auch mit die treibende Kraft, den Dow Jones Industrial Average zu gründen. Seit 111 Jahren war GE ständig im Index vertreten. Als Index für die Wirtschaftskraft der USA – vielleicht sogar der westlichen Welt.

Nun ist GE ein Sanierungsfall. Der Riese wankt. Warum? Weil GE mit der modernen, schnellen Zeit nicht Schritthalten kann. Weil neue Innovationen den Markt beherrschen. Er scheint zu starr und unflexibel zu sein, um diesen Wandel schnell genug umzusetzen. Von Mitgestalten kann keine Rede mehr sein. Es scheint als würde er, wie viele der Großen, nur noch reagieren und nicht mehr agieren.

Der Focus schreibt: „Der Abschied bringt den Tod der ‚alten Wirtschaft‘ einen Schritt näher!“ Begründet wird diese Annahme nicht zuletzt dadurch, dass der Industriegigant durch eine Dienstleistungsbetrieb ersetzt wird: Die Apothekenkette Walgreens wird den Dow Jones verstärken. Industrie vs. Dienstleistung. Ein deutliches Signal, das nicht zuletzt damit zu tun hat, dass die Digitalisierung voranschreitet. Der Anteil der Industrie am US-Bruttoinlandsprodukt ging auf zuletzt 20,3 Prozent zurück, während der Dienstleistungssektor auf fast 79 Prozent angeschwollen ist. Die Regeln der New Economy sind hart und sorgen mehr und mehr für einen Wandel – in allen Bereichen.

Was bisher vor allem als Theorie auf Vorträgen in bunten Bildern an die Wand geworfen wurde, wird mehr und mehr Realität. Man spürt, der Wandel kommt in großen Schritten näher. Je nach Branche in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Mal lauter, mal leiser. Doch eines bleibt aus Sicht des neutralen Beobachters, der keine Aktien von GE hält, festzuhalten: Mitzugestalten und aktive Beteiligung am Wandel ist der bessere Weg, als zu spät tatenlos zusehen zu müssen, wie andere den Markt bestimmen. Jetzt handeln, jetzt Pioniergeist zeigen – das ist das Credo für einen Erfolg in diesen Zeiten.

GE-Gründer Thomas Alva Edison würde wohl schon längst an digitalen Strategien geforscht haben, denn er war Pionier – durch und durch.