Interview zur DSGVO, Teil 3: „Fangen Sie jetzt an!”

Heute geht es weiter mit meiner Artikelserie zur DSGVO mit einem Interview, das wir mit einem der renommiertesten Experten im Bereich der Datensicherheit und des Datenschutzes für Steuerkanzleien geführt haben, mit Dipl. Ök. Stephan Rehfeld.

Lesen Sie heute den dritten und somit letzten Teil unseres dreiteiligen Interviews:
(Haben Sie den ersten Teil verpasst? Kein Problem → hier lang )

Es gibt eine Informationspflicht des für die Datenverarbeitung Verantwortlichen gegenüber allen Personen, von denen personenbezogene Daten erhoben werden. Was bedeutet das konkret?

Stephan Rehfeld: Durch Artikel 13 und Artikel 14 DSGVO wird es eine wesentliche Erweiterung der Informationspflichten des Steuerberaters geben; der „Papierkrieg“ bei Datenaufnahmen wird hier steigen. Der europäische Gesetzgeber hat umfangreiche Informationspflichten vorgesehen, die jede Datenaufnahme betreffen. So müssen etwa bei der Datenaufnahme die Mitarbeiter des Mandanten im Rahmen der Lohnbuchhaltung gem. Artikel  14 DSGVO zum Beispiel über Folgendes informiert werden: Name und Kontaktdaten der Kanzlei, des Kanzlei-Datenschutzbeauftragten, die Zwecke der Datenverarbeitung, Datenkategorien oder auch die zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde sowie ihre Auskunfts- und Beschwerderechte.

Sind Steuerberater Auftrags(daten)verarbeiter und unterliegen damit den besonderen Auflagen, die die DSGVO dafür vorsieht?

Stephan Rehfeld: Aus meiner Sicht trifft die Definition des Auftragsverarbeiters auf Steuerberater nicht zu. Berufsrechtlich verfügen Steuerberater als Freier Beruf über die Freiheit, die ihnen übertragenen Aufgaben mit ihrer fachlichen Kompetenz auszuführen. Sie sind daher nicht weisungsgebunden, wie es bei der Auftragsverarbeitung der Fall ist. Ich hoffe sehr, dass diese aus meiner Sicht klare Sachlage von den staatlichen Stellen ebenso gesehen wird und die Berufsorganisationen das Ihrige zur Durchsetzung dieser Auffassung beitragen. Andernfalls würde der Steuerberater sich auf weitere vertragliche Regelungen und regelmäßige Audits durch Mandanten einstellen müssen.

Der Zeitraum für die Umsetzung der DSGV reicht bis zum 25.05.2018. Bei dem geschilderten Umfang der erforderlichen Maßnahmen scheint das eine sehr sportliche Anforderung.

Stephan Rehfeld: Klare Antwort: Wer jetzt nicht anfängt, wird die Umsetzung innerhalb der Frist kaum mehr schaffen können.

Gibt es in Deutschland überhaupt genügend qualifizierte Personen, die die Aufgaben eines Datenschutzbeauftragten übernehmen können?

Stephan Rehfeld: Auch hier eine klare Antwort: Nein! Unternehmen – und somit auch Steuerberatungskanzleien – werden ab Mai 2018 ihren bestellten Datenschutzbeauftragten bei der zuständigen Datenschutzaufsichtsbehörde melden müssen. Es ist zweifelhaft, ob man hier einen Strohmann oder eine nachweislich nicht-qualifizierte Person melden möchte. Ferner müssen sie auch bei jeder Datenaufnahmen (siehe Hinweispflichten) auf den eigenen Datenschutzbeauftragten hinweisen. Wir werden im Bereich des Datenschutzes also eine ähnliche Struktur aufbauen müssen wie im Bereich der Steuerberatung. Wenn wir davon ausgehen, dass heute ein Datenschutzbeauftragter ca. 30 bis 40 Mandate betreuen kann, dann können sie sich leicht ausrechnen, welche Lücke wir demnächst in der Datenschutzberatung haben werden.

Wie lautet Ihre Handlungsempfehlung für Steuerberater?

Stephan Rehfeld: Fangen Sie jetzt an! Bei der DSGVO handelt es sich um den tiefsten Eingriff in die Infrastruktur der Unternehmen seit Einführung der EDV. Sichern Sie jetzt die Ressourcen, damit Sie rechtzeitig gewappnet und vor unangenehmen Überraschungen ab Mai 2018 sicher sind, die existenzbedrohend für Ihre Kanzlei sein können.

Ich bedanke mich für dieses ausführliche und hochinteressante Gespräch, Herr Rehfeld, das wichtige Einblicke in ein Thema gegeben hat, dem sich viele noch viel zu zögerlich annehmen. 

Wie sehen Sie die Herausforderung DSGVO? Ihre Meinung interessiert mich brennend. Schreiben Sie doch Ihre Sicht der Dinge in die Kommentare… iich freu mich drauf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.