Die letzten Meter sind entscheidend

Man tendiert gerne dazu, immer auf das Größte, das Mächtigste, das Beeindruckendste zu schauen.

Technik der Superlative zum Beispiel: Munich Maersk – das 214.000 Tonnen Containerschiff. Ein technisches Meisterwerk, das nur noch 28 Mann Besatzung benötigt und dessen 20.000 Container von just einem einzigen Verantwortlichen verwaltet werden können. Aber es kommt nicht mehr auf die Größe an.

Sie muten wie Dinosaurier an. Ungetüme vor dem Hintergrund der heutigen Herausforderungen.

Ozeanriesen wirken wie Dinosaurier in einer Zeit der Digitalisierung. Foto: Istock.com

Bis in die 90er Jahre lief bei den Logistikunternehmen alles wie von selbst. Es wurde verschifft, verfrachtet und geliefert, rund um den Globus, die Margen waren gut, das Leben einfach. Ein auf Frachtpapieren basierendes Geschäftsmodell, das leicht auf die Herausforderungen skalierbar war: Musste mehr bewegt werden, hat man größere Transportmittel gekauft. Von den 5000 Containern pro Schiff hin zu den 20.000ender Ungetümen wie die beschriebene Munich Maersk. Doch das Rezept wirkt nicht mehr. Spätestens nach der Wirtschafts- und der weltweiten Finanzkrise kam das Geschäft nicht mehr in Schwung. Ein anderes Geschäft hat das Zepter übernommen: E-Commerce und damit die Digitalisierung. Und damit kam der Schluss der Warenhaus-Warenhaus Belieferung. Viel wichtiger wurde die geschlossene Kette von Hersteller/Lieferant bis zur Haustüre.

Eine Branche muss umdenken. Zwangsläufig. Denn nachdem der Online-Handel China und USA zu den globalen Playern (Alibaba und Amazon) macht, ist die Schiffart wieder in der Pflicht. Aber ganz anders als vorher. Digitale, schlanke und schnelle Prozesse müssen umgesetzt werden, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Ganz wichtig dabei: Neue Technologien wie Blockchain. Manch einer in der Seefrachtbranche spricht gar von einer „Uber-isation“ der Branche, eine Reminiszenz an branchenaufrüttelnde Wirkung des Dienstes Uber auf die weltweite Personenbeförderungsbranche.

Es wird nicht mehr hingenommen, dass Prozesse Tage dauern, Kosten verursachen, die niemand mehr bereit ist zu tragen; dass Medienbrüche Tonnen von Papier erzeugen, die bürokratisch abgelegt und archiviert werden müssen.

Es sind die letzten Meter, nämlich die Meter vom Paketdienst zur Haustüre, die den Konsumenten darüber entscheiden lassen, ob die Lieferung erfolgreich war oder nicht. Diese letzten Meter, in ihrer Transparenz, in ihrer Leichtigkeit und Gebrauchstauglichkeit, ja in ihrem Komfort, auf die Minute genau zu wissen , wann das begehrte Paket ankommt, sind es, die den Takt angeben. Ein kleinst detaillierter Takt, dem sich die einstigen Giganten unterwerfen müssen. Tun sie es nicht, werden sei überholt. Amazon, noch eine kleine Nummer in der Cargo-Flugbranche, hat einen Hangar für 100 Flieger gebaut. Wenn andere nicht bereit sind ihre Kapazitäten anzupassen, ihre Prozesse zu modernisieren, macht es der Branchenprimus eben selbst. Denn er hat den End-to-End Digitalisierungsprozess im Haus. Er hat in seinem Portal alle notwendigen Daten. Die Kunden gehören ihm. Warum also die Zufriedenheit auf Wohl und Verderben anderen anvertrauen?

Maersk hat es erkannt und will zum „DHL der See“ werden, das leisten was Flugzeug und LKW nicht hinbekommen. Schnelle, kostengünstige und transparente Lieferung über die Weltmeere. Um das zu verbinden, was elektronisch längst verbunden. Digital und ohne Medienbruch.

Sie sehen: Es gibt auch andere Branchen, außerhalb unseres Fokus‘, die sich der Digitalisierung und der Disruption stellen müssen. Oversea-Logistik und Steuerberatung haben also die gleiche Herausforderung: End-zu-End Digitalisierungsprozesse mit dem Augenmerk auf den Kunden.

 

Quelle https://www.economist.com/briefing/2018/04/26/the-global-logistics-business-is-going-to-be-transformed-by-digitisation