Die Chance der Steuerberater – mehr Zeitfür die individuelle Beratung?

Die Zukunft der Steuerberatung wird sehr verschieden, nahezu gegensätzlich prognostiziert: Die einen sehen eine grundsätzliche Gefährdung des Berufs, da er durch die voranschreitende Digitalisierung und die Verbreitung digitaler Automatisierungen in naher Zukunft in seinen Standardleistungen ersetzt werden könne. Andere sind jedoch davon überzeugt, dass gerade die Steuerberatung aufgrund der Komplexität des Steuerrechts und der hohen betriebswirtschaftlichen Ansprüche an Unternehmen, ein krisen- und zukunftssicheres Berufsfeld bleiben werde. Als Experte für Digitalisierung im Steuerberaterbereich bin ich von der Zukunftssicherheit des Berufes überzeugt. Für mich ist der Einsatz digitaler Strukturen und Lösungen eine Notwendigkeit. Der Steuerberater wird auch in Zukunft nicht zu ersetzen sein: Wenn er seiner Funktion als Berater wieder bewusst wird.

Wenn er wieder Unternehmen unterstützt, begleitet und sicher durch eine Vielzahl von Herausforderungen und Wandlungsprozesse führt. Für diesen Job muss er eine ausgezeichnete Expertise haben, dafür muss er immer auf dem neuesten Stand in seinem Fachgebiet sein und aktuelle Entwicklungen rechtzeitig erkennen und verstehen – und von diesen Entwicklungen gibt es nicht gerade wenig in dem Berufsfeld des Steuerberaters: E-Bilanz, neue Geschäftsmodelle, Globalisierung, Internationalisierung, Marktharmonisierung, veränderte Kundenansprüche. Gerade der Steuerberater ist doch der Wandlungsexperte schlechthin; schließlich ist er es ja von Berufswegen gewohnt, ständige Gesetzesänderungen und –neuerungen zu erfassen, sich regelmäßig fortzubilden, neue Regularien zu kennen und umzusetzen: Wer also wäre besser geeignet, den Wandel gewinnbringend zu gestalten, wenn nicht der Steuerberater? Mit unseren Innovationen und Lösungen möchte ich helfen, genau diesen Wandel konstruktiv zu gestalten.

Der Berufsstand des Steuerberaters: Der Kammerberuf als Vorteil

Der Steuerberater gehört zu den klassischen Kammerberufen in Deutschland. Für ihn gelten besonders strenge berufsrechtliche Zugangsregelungen. Das gewährleistet eine persönliche sowie fachlich ausreichende Qualifikation. Kammern haben die Aufgabe, die beruflichen Belange der Mitglieder zu wahren und zu fördern, sowie die Erfüllung der beruflichen Pflichten zu überwachen. Diese Zugehörigkeit zu einer Kammer hat viele Vorteile:
Dazu gehören ein klardefiniertes Aufgaben- und Tätigkeitsfeld, eine damit eng verbundene Kundengruppe sowie potentielle Arbeitgeber, feste vorgegebene Strukturen, Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, ein hoher gleichbleibender Qualitätsstandard und Absicherung bei Erwerbsminderung bzw. Berufsunfähigkeit.

Als Körperschaft des öffentlichen Rechts nimmt die Kammer die vom Gesetz übertragenen Aufgaben wahr und vertritt die beruflichen Interessen der Mitglieder. Der Beruf des Steuerberaters wird deshalb als freier Beruf besonders gefördert, weiterentwickelt und in der Öffentlichkeit positioniert. Mitglieder der Kammer erhalten demnach große Unterstützung bei Fragen der Berufsausübung, sei es in Form von Aus-und Fortbildungen, bei der Entwicklung neuer Berufsfelder, der Netzwerkarbeit oder bei der Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Institutionen und Verbänden.

Doch neben all diesen Vorteilen können die daraus ebenfalls resultierende geringe Flexibilität, ein zu großer bürokratischer Aufwand, die vorgegebenen starren Strukturen innerhalb der Kammer auch nachteilig wirken. Kritisch darf jedenfalls der starke Einfluss der Genossenschaft auf den Berufsstand des Steuerberaters gesehen werden. So werden Standards gefestigt, Einheitliches geschaffen anstatt nach alternativen, individuellen und vor allem passgenauen Lösungen zu suchen.

Zukünftige Entwicklungen im Steuerberaterbereich

Die Digitalisierung lässt neue Geschäftsmodelle entstehen. Existenzgründungen in Deutschland sowie internationale Kooperationen nehmen zu: Die heutige Schnelllebigkeit sowie die Komplexität steuerrelevanter Sachverhalte sorgen für einen hohen und immer größer werdenden Beratungsbedarf. Und der richtet sich grundsätzlich an den Steuerberater.

Gleichzeitig aber wachsen Konkurrenz und Preisdruck für die Steuerberater. Experten aus verwandten Berufen wie z.B. Bilanzbuchhalter und Steuerfachwirte brechen in die klassischen Geschäftsfelder der Steuerberaterkanzleien ein und fordern, Tätigkeiten, die bisher nur Steuerberatern vorbehalten waren, für sie zu öffnen.

Für die Steuerberater heißt das mehr Eigenvermarktung. Sie müssen sich als definierte Spezialisten positionieren. Sie müssen Mandanten gewinnen und an sich binden. Der Fokus der Dienstleistung wird sich zukünftig ändern: Standardleistungen wie Finanz- und Lohnbuchhaltung sowie Einkommenssteuererklärungen werden automatisiert und zunehmend durch Softwareprodukte abgewickelt. Der Steuerberater dagegen gewinnt an Profil durch persönliche, kompetente Beratung. Er fokussiert wieder auf seine ursprüngliche Aufgabe. Seine Beratung wird bei Fragen der Existenzgründung sowie zukünftiger betriebswirtschaftlicher Potenziale für den Unternehmenserfolg entscheidend sein. Neue Expertisen sind für ihn wichtig. Das Wissen z.B. um Internationalisierung, Kenntnisse des internationalen Steuerrechts und des Transaktionsrechts lassen ihn neue originäre Geschäftsfelder erschließen. Tätigkeitsfelder, die exklusiv zu besetzen und schwer kopierbar sind und so Alleinstellungsmarkmale ergeben, die Marktvorteile garantieren.

Die Herausforderung der Europäisierung

Bestimmte Zukunftsperspektiven der Steuerberatungsbranche werden kontrovers diskutiert. Ob und welche davon tatsächlich im angenommenen Maße eintrifft ist nicht sicher. Unbestritten ist für mich jedoch die Tatsache, dass sich der Markt auch für ausländische Berater öffnet. Bereits jetzt dürfen Steuerberater aus anderen EU-Ländern ihre Mandanten in Deutschland vertreten, solange diese keine dauerhafte Niederlassung in Deutschland haben. Sobald ein Unternehmen hier ansässig ist, müssen seine Berater eine Eignungsprüfung ablegen. Und genau das kritisieren viele EU-Staaten. Die Zulassungsvoraussetzungen seien nicht mit EU-Recht vereinbar und fordern die Öffnung des deutschen Steuerberatermarktes für ihre Bürger. Aktuell heißt es in einem Schlussantrag des Generalstaatsanwaltes am Europäischen Gerichtshof, „dass eine in einem anderen EU-Mitgliedstaat niedergelassene Steuerberatungsgesellschaft nicht für Mandanten in Deutschland arbeiten dürfe, verstoße gegen den freien Dienstleistungsverkehr.“ Die deutschen Steuerberaterkammern positionieren sich jedoch gegen eine Öffnung für den europäischen Markt und argumentieren mit einer mangelhaften Ausbildung ausländischer Berater im deutschen Steuerrecht. Sie befürchten eine Minderung der Beratungsqualität.

Die Aufgaben des Steuerberaters der Zukunft

In Zeiten von Digitalisierung, neu entstehenden Geschäftsmodellen und sich ändernden Unternehmensstrukturen ändern sich auch die Bedürfnisse der Mandanten. Der Berater muss darauf antworten können und benötigt daher eine moderne, optimal anpassbare Software. Nur so kann er den Anspruch auch befriedigen. Mit Hilfe der moderner Technik kann er wertvolle Zeit gewinnen, die er für die Ausübung seiner Funktion als kompetenter und persönlicher Berater nutzt. Steuerberater müssen im Sinne des derzeitigen Wandels ihre Branche umgestalten, selbst neue Geschäftsfelder erschließen und ihre Kenntnisse stets erweitern.

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Auch in diesem Punkt ergeben sich aus der Digitalisierung neue Beratungsansätze, innovative Lösungen und interessante Schnittstellen zu anderen Tätigkeitsbereichen und Branchen. Seiner eigenen Vermarktung muss er somit allergrößte Aufmerksamkeit schenken. Er muss an einem unverwechselbaren Alleinstellungsmerkmal arbeiten, weiterhin auf Qualität setzen und angesichts des demografischen Wandels auch immer einen attraktiven Arbeitgeber darstellen.